Herausfordernde Zeiten gemeinsam meistern

Das Sozialmanagement bei der SWSG hat bereits Tradition: Seit über 20 Jahren unterstützt die Abteilung Mieter*innen in herausfordernden Lebenslagen und steht ihnen mit verschiedenen Beratungs- und Hilfsangeboten zur Seite. Im Hinblick auf die Corona-Pandemie sind insbesondere die Mietschuldenberatung und das Konfliktmanagement nochmals stärker in den Fokus gerückt: Durch Kurzarbeit oder berufliche Einschränkungen gerieten einige Mieter*innen in Zahlungsschwierigkeiten. Viele haben zudem das präventive Angebot der Mietschuldenberatung in Anspruch genommen, um frühzeitig Maßnahmen zu ergreifen und möglichen Zahlungsschwierigkeiten vorzubeugen. Bereits zu Beginn der Pandemie hat die SWSG als weitere Maßnahme beschlossen, grundsätzlich auf fristlose Kündigungen zu verzichten. „Niemand steht bei uns aufgrund der Corona-Krise auf der Straße“, bekräftigt Uwe Staudenmaier, Mietschuldenberater bei der SWSG. „Wir bemühen uns immer, gemeinsam mit den Mieterinnen und Mietern eine Lösung zu finden – erst recht in so einer Ausnahmesituation.“

Lösungen galt es auch im direkten Wohnumfeld zu finden, das als neuer Lebensmittelpunkt vermehrt Konfliktpotenzial barg: Während beispielsweise Berufstätige ihrem Job im Homeoffice nachgehen mussten und Ruhe benötigten, konnten Kinder nicht in den Kindergarten oder die Schule und tobten sich stattdessen zuhause aus. Die SWSG-Mediator*innen versuchten, in Konfliktsituationen zu schlichten, für gegenseitige Toleranz zu werben und die Beteiligten für die unterschiedlichen Bedürfnisse in einer Nachbarschaft zu sensibilisieren. Denn übergeordnetes Ziel ist stets, dass sich alle Bewohner*innen eines Quartiers wohlfühlen und ein gemeinschaftliches Zusammenleben möglich ist.

Professionell beraten

Dank der bereits seit Jahren etablierten Strukturen konnte die SWSG alle Mieter*innen mit professionellem Know-how beraten und unterstützen. Die Modalitäten der Beratungsangebote wurden hierfür kurzerhand an die neue Situation angepasst: Die Mietschuldnerberatung fand überwiegend telefonisch statt und alle Haushalte wurden nochmals auf das präventive Beratungsangebot aufmerksam gemacht. Dass der Bedarf Corona-bedingt zugenommen hat, bestätigt Jan Böhme, Leiter des Sozialmanagements: „Im Vergleich zu den Vorjahren haben wir 2020 einen deutlichen
Anstieg der Fallzahlen der präventiven Mietschuldnerberatung verzeichnet – diese lagen rund 40 Prozent über dem Durchschnitt der vergangenen zehn Jahre.“ Insgesamt wurden im letzten Jahr 727 Beratungstermine durchgeführt – mehr als jeder fünfte Fall davon war auf Corona-bedingte Einkommensverluste zurückzuführen. „Dank der intensiven Bemühungen unserer Mietschuldenberater konnten wir gemeinsam mit den Betroffenen aber auch im Krisenjahr 2020 insgesamt ähnlich gute Ergebnisse wie in den vergangenen Jahren erzielen“, so Jan Böhme.

Starker Partner für Gewerbemieter*innen

Eine zentrale Rolle in den SWSG-Quartieren – und im gesamten Stadtbild – spielen auch die zahlreichen (Klein-)Gewerbe vor Ort. Sie stellen die Bedürfnisse des täglichen Lebens in der Nachbarschaft sicher und tragen zu lebendigen und urbanen Quartieren bei. Insgesamt vermietet die SWSG rund 400 Gewerbeeinheiten in ganz Stuttgart, vom Second-Hand-Laden über den Friseursalon bis zum Restaurant. Ein Großteil davon wurde durch die Beschränkungen der Pandemie in besonderem Maße beeinträchtigt: Bars und Restaurants mussten lange Zeit schließen und konnten zwischendurch nur bedingt Umsätze generieren, Friseur*innen konnten monatelang keine Kundschaft empfangen und auch Bäckereien, die augenscheinlich keine Einschränkungen erfahren haben, machten Verluste, da Lieferungen an Schulen, Hotels und Gastronomie wegbrachen.

"YAFA ist unser Traum vom lebendigen Lokal im Herzen Stuttgarts. In Zeiten von Corona ist von dieser Lebendigkeit kaum etwas übrig geblieben: Das ganze Viertel ist aufgrund der Einschränkungen deutlich weniger belebt, was sich natürlich – trotz To-go-Angebot – auf unseren Umsatz auswirkt. Ohne das faire Entgegenkommen der SWSG wäre es schwierig geworden, unseren Traum weiterzuleben.“

Yafa Josephides & Vera Lempertz, YAFA – FALAFEL, HUMMUS & FRIENDS, Stuttgart-Mitte

„Als sozial ausgerichtetes Unternehmen war es uns ein Anliegen, Verantwortung zu über-nehmen – daher haben wir intern Lösungen erarbeitet, wie wir unsere Mieterinnen und Mieterbestmöglich unterstützen können“, berichtet Christian End, der den Bereich Gewerbemanagement verantwortet. Seit Beginn der Pandemie steht das Gewerbemanagement in ständigem Austausch mit den betroffenen Mieter*innen. Bereits kurze Zeit nach Bekanntgabe des ersten Lockdowns im Frühjahr 2020 hatten sich die Anrufe von Gewerbetreibenden gehäuft, die um Rat und Unterstützung baten. „Um ihnen eine gewisse Sicherheit zu geben, haben wir uns kurzerhand dazu entschieden, allen Mieterinnen und Mietern zinslose Stundungen zu gewähren und moderate Ratenzahlungen in Aussicht zu stellen“, erzählt Faith Brandt, die für die Kundenbetreuung im Gewerbemanagement zuständig ist. In regelmäßigem Turnus werden seither Gespräche mit den Mieter*innen geführt, um die jeweilige Lage und die weitere Entwicklung zu besprechen. Dabei werden je nach Bedarf individuelle Vereinbarungen getroffen.

„Im Prinzip war uns aber auch von Anfang an klar, dass wir rasch weitere Maßnahmen einleiten müssen“, erinnert sich Christian End an die Anfangszeit der Pandemie. Die SWSG hat daher allen direkt vom Lockdown betroffenen Mieter*innen für die per Verordnung angeordneten Schließzeiten einen Erlass der Grundmiete in Höhe von 50 Prozent gewährt. Neben den vereinbarten Zahlungsmodalitäten hat auch diese Maßnahme dazu beigetragen, dass bis heute kein*e SWSG-Gewerbemieter*in sein oder ihr Geschäft aufgrund der Auswirkungen durch die Pandemie aufgeben musste.

Nach gut einem Jahr fällt das Fazit der SWSG positiv aus: „Selbstverständlich war das Vorgehen auch für uns ein Risiko. Das haben wir aber angenommen und im Nachhinein hat sich diese Entscheidung als absolut richtig erwiesen“, resümiert Christian End. Durch die Unterstützung der SWSG und den permanenten Austausch mit den Betroffenen konnten nicht nur Arbeitsplätze, sondern auch wichtige Ankerpunkte in den Quartieren erhalten bleiben.

"Die Nachricht von der SWSG, dass mir ein Teil der Miete erstattet wird, war für mich eine riesige Überraschung. Ich hatte nicht um Stundungen oder Mietverzichte gebeten. Dank des hohen Bedarfs an Stoffen für selbstgenähte Masken konnte ich die Verluste ein wenig ausgleichen. Umso schöner war es, zu wissen, dass ich mich – wenn es hart auf hart kommt – auf die SWSG verlassen kann. Das nimmt viel Druck raus und ist für mich keine Selbstverständlichkeit!“

Gloria Mangold, Nähcafé Garn und Gloria, Stuttgart-Zuffenhausen
Soziales Engagement für ein besseres Miteinander

Zu diesen Ankerpunkten gehören auch gemeinnützige Einrichtungen vor Ort: Die SWSG vermietet viele Räumlichkeiten an soziale Träger, die den Lebensalltag der Bewohner*innen mit vielfältigen Unterstützungsangeboten erleichtern und verbessern. Hierzu zählen beispielsweise Nachbarschafts- und Familienzentren, Begegnungsräume, die mobile Jugendarbeit oder kleinere soziale Einrichtungen, die den Anwohner*innen Mittagstisch, Hausaufgabenbetreuung oder einfach Räume zum Austausch anbieten. Auch diese Einrichtungen mussten ihren Betrieb Corona-bedingt zunächst einstellen und konnten später nur unter strengen Hygieneauflagen wieder öffnen.

Zur Umsetzung der notwendigen Schutzmaßnahmen leistete die SWSG zahlreichen Einrichtungen finanzielle Unterstützung: Insgesamt wurden 130.000 Euro an über 60 gemeinnützige Projekte und Institutionen gespendet, sodass Angebote für Kinder, Jugendliche oder ältere Menschen auch während der Krise ermöglicht werden können. Denn: „Übergeordnetes Ziel im vergangenen
Jahr war es, unseren Mieter*innen in dieser besonderen Krisenzeit als starker und verlässlicher Partner zur Seite zu stehen und ihnen individuelle und vielfältige Hilfestellungen zu bieten“, erklärt Samir M. Sidgi, Vorsitzender der Geschäftsführung der SWSG.

Sei es, um soziale Kontakte – insbesondere für alleinstehende Menschen – weiterhin aufrechterhalten zu können, Menschen in psycho-sozialer Not zu unterstützen oder (kleinere) Geschäfte am Leben zu erhalten, da diese sowohl für die Lebensqualität in den Quartieren als auch im Hinblick auf die Sicherung von Arbeitsplätzen von besonderer Relevanz sind. „Rückblickend ist uns dies gut gelungen – gleichzeitig hat die Pandemie auch aufgezeigt, an welchen Stellschrauben wir künftig nach-justieren müssen, um unseren Mieterinnen und Mietern noch bessere Leistungen anbieten
zu können“, so Sidgi.